Sidi Bou Saïd ist für genau zwei Farben berühmt, und diese Regel ist kein Zufall. 1915 überzeugte der Maler und Musikwissenschaftler Rodolphe d’Erlanger, der eben erst seinen Palast am Hang darunter gebaut hatte, die Behörden davon, das Dorf zu schützen: weiß gekalkte Mauern und Holzwerk in einem einzigen Blauton. Über hundert Jahre später gilt der Kodex noch immer — deshalb wirkt der Ort eher wie eine Filmkulisse als wie eine Kleinstadt.
Das Rückgrat ist die Rue Habib Thameur, die gepflasterte Hauptstraße, die vom Kreisel unten bis zu den Cafés an der Klippe hinaufführt. Zehn Minuten, wenn du marschierst; zwei Stunden, wenn du dich normal verhältst und an jeder genagelten Tür, jedem Maschrabiyya-Fenster und jeder auf blauen Stufen schlafenden Katze stehen bleibst.
- Bereich: Im Dorf
- Rue Habib Thameur
- Genagelte Türen in Nabeul-Blau
- Kunsthandwerk und Keramik
Das Beste an: Blaue Türen & Kopfsteingassen
Die Türen lesen
Die schwarzen Nägel in den großen Bogentüren sind nicht bloß Dekoration. Die Muster — Fische, Halbmonde, die Hand der Fatima, geometrische Bänder — waren Schutzzeichen und zu ihrer Zeit auch stille Aussagen über die Familie dahinter. Die schönsten Beispiele findest du in der oberen Hälfte der Rue Habib Thameur und in den Nebengassen nach rechts.
Nach oben schauen: Maschrabiyya
Die vorgewölbten blauen Fensterkäfige sind reines mittelalterliches Andalusien, mitgebracht von aus Spanien vertriebenen Familien. Sie ließen die Frauen des Hauses auf die Straße blicken, ohne gesehen zu werden — und sind das meistfotografierte Detail Tunesiens.
Durch die Handwerksgassen stöbern
Keramik aus Nabeul, Vogelkäfige, Olivenholz, Silberfiligran und Teppiche. Die Preise sind Touristenpreise, Handeln wird erwartet: Starte bei etwa der Hälfte und einige dich bei rund zwei Dritteln. Die Werkstätten in den Nebengassen sind günstiger als die Stände an der Hauptstraße.
Zweimal gehen
Einmal um neun Uhr morgens, wenn die Straße leer und das Licht klar ist, und einmal nach achtzehn Uhr, wenn die Tagesgäste weg sind und das Weiß aprikosenfarben wird. Das sind zwei verschiedene Dörfer.


So kommst du zu: Blaue Türen & Kopfsteingassen
- Die Hauptstraße beginnt am Kreisel beim Parkplatz der TGM-Station — von dort fünf Minuten bergauf, ausgeschildert.
- Kopfsteinpflaster und stellenweise wirklich steil. Zieh etwas mit Grip an; mit Kinderwagen oder Rollstuhl ist der Anstieg mühsam.
Insider-Tipps
- Für Fotos: morgens die Straße, am späten Nachmittag die Terrassen und der Golf.
- Am vollsten ist es zwischen 11 und 16 Uhr, besonders wenn ein Kreuzfahrtschiff in La Goulette liegt.
- Ladenbesitzer laden dich gern „nur für die Aussicht, kostenlos“ auf eine Dachterrasse ein — die Aussicht ist meist hervorragend, ein kleines Trinkgeld oder ein Kauf ist der höfliche Abschluss.
- Die Kleiderordnung ist locker, aber dies ist ein bewohntes Dorf mit einem Heiligtum im Zentrum; bedeckte Schultern und Knie werden geschätzt.
Häufige Fragen zu Blaue Türen & Kopfsteingassen
Häufige Fragen
Warum ist Sidi Bou Saïd blau-weiß?
Die Farbgebung wurde 1915 auf Betreiben von Baron Rodolphe d’Erlanger, der hier den Palast Ennejma Ezzahra gebaut hatte, gesetzlich festgelegt. Das Blau ist eine traditionelle tunesische Holzfarbe, oft Nabeul-Blau genannt, und ihr Gebrauch ist bis heute geregelt.
Wie viel Zeit brauche ich im Dorf?
Zwei bis drei Stunden für die Hauptstraße, ein Café und einen Aussichtspunkt. Ein halber Tag reicht zusätzlich für Dar El Annabi oder den Palast Ennejma Ezzahra. Ein ganzer Tag, wenn du zur Marina hinunter willst und schwimmen möchtest.
Kostet der Spaziergang etwas?
Nein. Gassen, Platz und Aussichtspunkte sind kostenlos. Nur die Museumshäuser, der Palast und die Cafés kosten.

